Menü

Aktuelle wissenschaftliche Empfehlungen aus Indien: Immunitätsfördernde Selbstvorsorge während der COVID-19 Krise.

Autorinnen: Dr. Friederike Fahr & Dr. Jyotsna Karthik

Neuer Podcast zu diesem Beitrag:

https://stark-durch-corona.podigee.io/20-neue-episode

Kopiere einfach den Link und füge ihn bei google ein, Go & Listen! Danke an Nicole Scheuermann-Brendle und Cordula Söfftge der Initiative "Stark durch Corona"!

1. Aktuelle Diskussion um die ganzheitliche Prävention von COVID-19 in Indien.

2. Yoga zur Stärkung des Immunsystems. 

3. Ayurvedische Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge.

4. Ausblick: Sind wir auf dem Weg in ein neues Bewusstsein? 


1. Aktuelle Diskussion um die ganzheitliche Prävention von Covid-19 in Indien. 

Am 28. März 2020 sprach der indische Premierminister Narendra Modi per Videokonferenz mit Experten aus dem AYUSH-Ministerium, welches die Bereiche Ayurveda, Yoga, Unani, Siddha und Homöopathie umfasst (1). Premierminister Modi stellte dabei heraus, dass die Bedeutung des AYUSH-Sektors bei den Bemühungen um die Bekämpfung von COVID-19 um ein Vielfaches zugenommen hat. Bei allen Bemühungen, die Virusverbreitung einzudämmen, sollen die gesundheitsförderlichen Praktiken der indischen AYUSH-Systeme übernommen werden. Die AYUSH-Fachkräfte wurden zudem durch den Premierminister dazu aufgefordert, die präventiven AYUSH-Praktiken dringend an die gesamte Bevölkerung und Öffentlichkeit weiterzuleiten, um ein erweitertes Bewusstsein für die Bekämpfung der Pandemie zu schaffen.

Yoga und Ayurveda, die zu den Schlüsselzweigen des AYUSH gehören, verbreiten sich in diesem Zusammenhang nun weltweit mit einem tieferen Verständnis für die Erhaltung des Wohlbefindens von Körper und Geist sowie die Erreichung eines höheren Bewusstsein. Die ayurvedische Ärztin Devendra Triguna, die von Premierminister Modi in diesem Zusammenhang konsultiert wurde, sagte gegenüber der Zeitschrift “India Today”: "India is a country with a long history and continuous civilisation. We have traditional medicines which can do wonders. Now as much as it is important to understand that Ayurveda medicines cannot work instantly, it is also important to know that Ayurveda medicines are proven to be extremely effective for immunity.” (1) Sie stellt damit heraus, dass die traditionelle Ayurveda-Medizin nachweislich äußerst wirksam für die Immunität ist und vor allem in der Prävention und Vorsorge eine mittel-und langfristige Wirkung entfaltet.


Source: https://pibindia.wordpress.com/2016/01/04/year-end-review-2015-ministry-of-ayush/
Source:https://www.wbhealth.gov.in/ayush/

2. Yoga zur Stärkung des Immunsystems.

Das Studium der Yoga-Philosophie und die regelmäßige Yoga-Praxis führt den Menschen zu einer Einheit von Körper, Seele und Geist und zum höchsten Ziel, dem Zustand von Samadhi, dem Einssein mit Allem, was ist. Neben diesem spirituellen Weg ist der Yoga auch dafür bekannt, durch die wachsende Bewusstheit, tiefe Atmung, Körperübungen und Meditation, das Immunsystem zu stärken und die Abwehrkräfte aufzubauen. Yoga sorgt für Entspannung und Ausgeglichenheit und wirkt somit stressabbauend, er regt Herz-Kreislaufsystem und den Stoffwechsel an, kräftigt und dehnt den Körper und sorgt für einen klaren und hellen Geist. Besonders durch die bewusste, lange und tiefe Atmung in Verbindung mit den Körperübungen und Positionen, den Asanas, wird die Lebenskraft (Prana) und Lebensenergie (Ojas) gestärkt, das Immunsystem und die Gesundheit verbessert. Viren, die durch die Atemwege in den Körper gelangen, können durch ein gestärktes Immunsystem leichter abgewehrt werden.

Im Yoga wird vor allem darauf geachtet, zum einen durch die Nase ein- und auszuatmen, um die eingeatmete Luft zu reinigen und die Atmung zu verlängern und zum anderen die natürliche Zwerchfellatmung zu optimieren. 

Die Yoga-Atmung beginnt mit starken und gesunden Lungen. Haltungen wie Sarvangasana, Dvipadapitham, Setubandhasana, Bhujangasana und Urdva Mukha Svanasana öffnen und dehnen die Brust, stimulieren die Lungen, wirken somit stärkend auf das Immunsystem und können auch für Atemwegserkrankungen therapeutisch sein.

Sarvangasana
Setubandhasana


Durch den Druck des Kinns auf das Brustbein wird in Sarvangasana (Schulterstand), Dvipadapitham oder Setubandhasana die Brustkorbatmung weitgehend unterbunden, was sich anregend auf die Bauch- bzw. Zwerchfellatmung auswirkt. In Lungensanatorien wird der Schulterstand geübt, um Asthmatikern zu helfen. Auch bei Bronchitis können Verbesserungen erwartet werden.

Dvipadapitham


In Haltungen wie Bhujangasana (Kobra) oder Urdva Mukha Svanasana (Aufschauener Hund) wird die Atmung vertieft und die Bauchorgane massiert. Und auch Adho Mukha Svanasana (Herabschauender Hund) wird das Zwerchfell aktiviert und dadurch die Bauchatmung und die Atemkapazität verbesserst.


Im Yoga ist das Atemtraining eine unverzichtbare Vorbereitung für die richtige Durchführung von Asanas und Pranayama und für die Vertiefung der Meditation. Dabei lernen wir, die Empfindungen während der Bauch- und Zwerchfellatmung zu beobachten und zu erkennen und sich daran zu gewöhnen, tief und sanft zu atmen. Es ist gerade wichtiger denn je, diese tiefe Atmung in die Yoga-Praxis zu integrieren und in unseren derzeitigen Alltag bewusst wahrzunehmen und zu praktizieren. 

Apanasana - Einatmen
Apanasana - Ausatmen


Zur körperlichen wie seelisch-.geistigen Stabilisierung und Entwicklung empfehlen wir dir eine tägliche auf den Atem fokussierte Asana-Pranayama-Übungspraxis von 15-30 Minuten. Wenn du noch nicht meditierst - beginne jetzt zu meditieren und starte mit 5-10 Minuten am Tag! Oder vertiefe deine Meditationspraxis und verbinde sie mit heilsamen Mantras für dich und die Welt. Dafür wird es noch einen weiterführenden Beitrag geben. 


3. Ayurvedische Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge.

Die Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) ist bekanntermaßen eine Infektionskrankheit, die durch ein neu entdecktes Coronavirus verursacht wird. Da es sich um eine Krankheit handelt, die das Immunsystem des Körpers angreift, sollten alle ayurvedischen Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge, wie Pflanzenheilkunde und Medikamente, Ernährung und Aktivitäten so sein, dass sie das Immunsystem, die Vital- und Widerstandskraft (Ojas) im Körper verbessern.

Unser Ojas (unsere Vitalität) ist dann am besten ausgeprägt, wenn alle Körperfunktionen und der Saptha Dhathus (Körpergewebe), Tridosha (Grund-Konstitutionen), Trimalas (Ausscheidunsgprozesse), Agni (Verdauung) und Srothas (Körperkanäle) im Gleichgewicht arbeiten. Wenn all diese Elemente im Gleichgewicht sind, sprechen wir im Ayurveda von einem stabilen Immunsystem. Um unser Immunsystem zu stärken, arbeiten wir an der Verbesserung, Stabilisierung und Balance all dieser Körperfunktionen. 

Acharaya Charaka hat vier Hauptgründe als Hauptursache für die Entstehung jeder Art von Atemwegserkrankungen, insbesondere Tuberclose, genannt. Wenn man also versucht, diese vier Hauptgründe wie folgt zu vermeiden, kann man sich vor jeder Art von Atemwegserkrankungen schützen und das Immunsystem stärken. Sie sind:

  1. Sahasa - mehr arbeiten als man fähig ist, bedeutet, sich zu sehr anzustrengen, schwere Lasten zu tragen, lange Strecken zu gehen, die Sinnesorgane übermäßig zu beanspruchen usw.
  2. Sandharanam - Unterdrückung der natürlichen Triebe. Die natürlichen Triebe wie Urinieren, Niesen, Gähnen, Schlafen, Weinen usw. sollten nicht kontrolliert werden.
  3. Vishamashana - unregelmäßige Ernährung, wie Essen um Mitternacht, übermäßiges Essen, sehr wenig, scharfes, saures und kalorienreiches Essen.
  4. Ksahya - Verschwendung / Verlust von Dhatus durch trockene und zu scharfe Lebensmittel, Essen aus Konserven und psychologische Faktoren wie Eifersucht, Wut, Angst usw.

Im Großen und Ganzen erhöhen alle diese vier Ursachen die Trisdoshas, insbesondere das Vata-Dosha, was wiederum das Immunsystem und das Atmungssystem schwäch.

Der Ayurveda gibt uns zur Stabilisierung unseres Immunsystems und zum Schutz vor der Coronavirus-Erkrankung die folgenden Verhaltensregeln, pflanzlichen Wirkstoffe und  Medikamente, Ernährungshinweise und Tipps zur Selbstfürsorge: 

  • NIDANA PARIVARJANA - dieses ayurvedische Prinzip bedeutet soviel wie: “Vorbeugen ist besser als Heilen”. Sorge für dich, achte auf sehr gute Hygiene, bleibe zu Hause, um dich vor Ansteckung zu schützen!
  • Nimm möglichst immer frisch gekochte, warme und leicht verdauliche Nahrung zu dir, um die Tridoshas (Vata, Pitta, Kapha) auszugleichen. 
  • SADA PATHYAM (gemeint ist eine Praxis, die immer gut ist für unseren Körper und geeignet ist zur Gesunderhaltung): Esse vor den Hauptmahlzeiten ein frisches Stück Ingwer mit Salz. Die reinigt den Mund, erhöht Agni (unsere Verdauungsfeuer) und erleichtert die Verdauung, verfeinert und verbessert den Geschmack.
  • Meide derzeit den Verzehr von Fleisch, Eiern, rotem Fleisch und Meeresfrüchten, da sie Rajas (Reizbarkeit) und Tamas (Schwere) im Körper unnötig verstärken. 
  • Nimm möglichst noch mehr mehr frisches Gemüse und Obst zu dir als sonst.
  • Nehme 1 Teelöffel Chyavanaprasham (Amla-Paste, höchste Konzentration von Vitamin C) pro Tag zur Verbesserung der Immunität und zur Vorbeugung von Atemwegserkrankungen.
  • Trinke ausschließlich warmes Wasser! Dies kann verhindern, dass das Virus in den Verdauungskanal eintritt.
  • Vermeide den Verzehr von Nahrungsmitteln in Konserven und mit Konservierungsmitteln.
  • Trage dreimal (bis zu zehnmal) täglich und vor dem Verlassen des Hauses 2 Tropfen Anu Tailam oder Sesamöl in jedes Nasenloch, um zu verhindern, dass sich Staub, Allergene und Viren in den Nasenlöchern festsetzen und in die Lungen gelangen können.
  • Trinke ein Glas warmes Wasser oder Milch mit 1 Teelöffel Trikatu - 3 Gewürze: Paprika, schwarzer Pfeffer und trockener Ingwer - am Tag. 
  • Trinke ein Glas warmes Wasser mit 1 Teelöffel Triphala-Pulver vor dem zu Bett gehen, um die gesunde Verdauung anzuregen.
  • Übe dich in ACHARA RASAYANAM, Selbstdisziplin und halte dich sowohl körperlich als auch geistig fit und möglichst frei von störenden negativen Einflüssen. 
  • Praktiziere jeden Tag Pranayama (Atemübungen) zur Verbesserung der Lungenkapazität. 
  • Goldene Milch - mit Kurkumapulver gekochte Milch wird als die goldene Milch bezeichnet, die gut für das Immunsystem ist.

Golden Milk

Aktuelle wissenschaftliche Studie des Patanjali Research Institutes

Laut einer aktuellen wissenschaftlichen Studie des Patanjali Research Institutes konnten 3 natürliche ayurvedische Pflanzenheilmittel bestimmt werden, die gegen die Ausbreitung des Coronavirus wirksam eingesetzt werden können: Ashwagandha (Withania somnifera), Giloy / Guduchi (tinospora cordifolia) und Tulsi (ocimum sanctum) (3). Um das COVID-19-Virus mit Ayurveda zu bekämpfen, haben die Wissenschaftler fast 1000 Phytochemikalien aus mehr als 100 Heilpflanzen in-sillico (via Computersimulation) untersucht (3). Dabei entdeckten sie, dass die natürlichen Phytochemikalien in Ashwagandha, Giloy und Tulsi tatsächlich das Potenzial haben, COVID-19 und seine Pathogenität zu bekämpfen. Diese Daten zeigen laut Acharya Balkrishna zum ersten Mal, dass natürliche Phytochemikalien durchaus die brauchbaren Optionen zur Kontrolle des COVID-19-Eintrags in die Wirtszellen sein könnten, und Ashwagandha könnte die erste Wahl von Kräutern in diesen Richtungen sein, um die Infektiosität von COVID-19 einzudämmen. In dem Beitrag werden zudem Behandlungsempfehlungen zur Prävention und bei Erkrankung von COVID-19 gegeben. Wenn du den Artikel gerne lesen möchtest oder Fragen zur Besorgung und Einnahme der drei ayurvedischen Pflanzenheilmittel hast, schreibe bitte an friederike.fahr@yocoveda.com oder drjyotsna.ayursparsha@gmail.com (englisch). 

Ashwagandha
Giloy / Guduchi
Tulsi


4. Ausblick: Sind wir auf dem Weg in ein neues Bewusstsein? 

Corona-Schutz und positive Entwicklung durch Yoga und Ayurveda.

Der bekannte Ayurveda Arzt und Autor Dr. David Frawley verweist auf den starken Einfluss von kollektiven Traumata und Pandemien, wie die Verbreitung des Coronavirus, auf den kollektiven Geist (3). Damit ist gemeint, dass die Verbreitung von COVID-19 sowohl unseren individuellen Verstand als auch den unserer Freunde, Familienmitglieder und der ganzen Gesellschaft beeinflussen. Kollektive negative Emotionen können unseren individuellen Verstand überwältigen, sie stören unser positives Prana (unsere Lebensenergie) und unsere Immunität. Vor diesem Hintergrund ist es in der aktuellen Zeit umso wichtiger, dass wir uns vor den negativen Einflüssen des kollektiven Geistes, seinen Ängsten und Phobien - so gut es geht - schützen. Gleichzeitig sollten wir für die positiven Einflüsse des kollektiven Geistes wie Frieden, Mitgefühl und Furchtlosigkeit weiterhin offen sein. Hilfreich ist aus Frawley’s Sicht, über den gewöhnlichen kollektiven menschlichen Verstand und unser eigenes Leben hinaus auf das größere planetarische und universelle Bewusstsein zu schauen. Yoga, insbesondere Pranayama und Meditation lehren und ermöglichen uns, mit den Kräften unserer Lebensenergie (Prana) zu arbeiten, uns zu schützen, gleichzeitig mit dem Positiven verbunden zu bleiben und stärkende Energien in den kollektiven Geist zu senden. Ayurveda stärkt unserer Lebens- und Widerstandskraft und beeinflusst auf positive Weise unser individuelles und kollektives Wachstum auf allen Ebenen unseres Daseins. Die Bedeutung unsere individuellen und kollektiven Yoga- und Ayurveda-Praxis kann also im Augenblick nicht hoch genug eingeschätzt werden, um die derzeitige Negativität zu überwinden und das gesamte Erdbewusstsein positiv zu beeinflussen. Sind wir auf dem Weg in ein neues Bewusstsein?

Internet_Quellen:

(1) https://www.youtube.com/watch?v=WBG6zuK8uAI

(2) Tanushree Pandey, New Delhi, March 30, 2020: https://www.indiatoday.in/india/story/pm-urges-ayush-representatives-ayurveda-doctors-to-counter-rumours-about-covid-19-1661294-2020-03-30

(3) Acharya Balkrishna: Indian Traditional Ayurvedic Treatment Regime For Novel Coronavirus, COVID-19. Patanjali Research Institute. März 2020.  

(4) David Frawley, Facebook-Post 29.3.2020: CORONAVIRUS UND DER KOLLEKTIVE GEIST: ÜBER DIE NEGATIVITÄT HINAUSGEHEN


Die Autorin

Dr. Jyotsna Karthik

Dr. Jyotsna ist Ayurveda-Ärztin, -Beraterin und -Lehrerin und bildet Menschen aus aller Welt in verschiedenen Bereichen des Ayurveda aus. Sie möchte mit ihrer Arbeit die gesellschaftliche Bedeutung des Ayurveda herausstellen und widmet sich zugleich voller Engagement und Feinfühligkeit jedem einzelnen Patienten und Teilnehmer. Sie ist seit 2013 die Ayurveda-Lehrerin von Dr. Friederike Fahr. Seit 2016 arbeiten die beiden eng miteinander, leben die Verbindung von östlichen und westlichen Weisheiten und entwickeln diese gemeinsam weiter.

Ähnliche Beiträge

Zusammenführung

Der ganzheitliche Weg—
yocoveda® Master-Ausbildung (600 h)

  • Möchtest du Wissen, Weisheit und Können aus Yoga, Coaching und Ayurveda zu einem ganzheitlichen Kompetenzprofil zusammenführen und andere Menschen in ihrem perönlichen wie beruflichen Leben zur Seite stehen?
  • Möchtest du kompetent, feinfühlig und achtsam, praxisorientiert und tiefgründig in den Feldern Yoga, Ayurveda, gesunde Lebens- und Arbeitsgestaltung lehren, coachen und beraten?
  • Dann beginne die 600 h umfassende Ausbildung und werde yocoveda® Master!