Menü

Ayurvedic Cooking Class: Zubereitung und Gesundheitsaspekte von Ghee.


Ayurvedic Cooking for Wellbeing & Health.

Dr. Jyotsna Karthik & Dr. Friederike Fahr

Ayursparsha in Chennai / India & yocoveda in Leipzig / Deutschland 


Ayurvedic Cooking Class: Die Gesundheitsaspekte und Zubereitung von Ghee.

Übersicht:

1. Was ist Ghee?

2. Welche Eigenschaften hat Ghee?

3. Wie entsteht Ghee?

4. Wie muss Ghee gelagert werden?

5. Welche gesundheitsförderlichen Eigenschaften hat Ghee?

6. Anwendungsgebiete von Ghee.

7. Welche Rolle spielt Ghee in Panchakarma, Rasayana und Ahara?  

    7.1 Panchakarma - Reinigen und Entgiften - mit Ghee.

    7.2 Rasāyana Chikitsā - Verjüngung - mit Ghee.

    7.3 Ahara - Kochen - mit Ghee.

8. Die Zubereitung von Ghee - das Video.

Literatur.

1. Was ist Ghee? 

Ghee ist eine gereinigte Form von Butter und seit uralten Zeiten ein Grundnahrungsmittel der indischen Küche und der ayurvedischen Medizin.

Ghee ist laut der alten vedischen Schriften das wesentlichste aller Lebensmittel. Neben dem Rigveda wird es auch im Mahabharata erwähnt, gilt seither in Indien als rein und heilig, symbolisiert Fülle, Glück und Wohlstand. Die goldene Flüssigkeit, wohlriechend und gesund, wird seit über 4000 Jahren aus der Milch von grasgefütterten Kühen hergestellt, die idealerweise in einer natürlichen und unverschmutzten Umgebung weiden. 

Im Ayurveda steht Ghee ganz oben auf der Liste der unentbehrlichen Lebensmittel.


2. Welche Eigenschaften hat Ghee?

Ghee ist ein sattvisches, d.h. ein nicht Reiz erzeugendes, vegetarisches Nahrungsmittel. 

Ghee hat von Natur aus einen süßen Geschmack (Madhura). 

Ghee wirkt kühlend, befeuchtend, nährend, gibt Kraft und Energie.

(vgl. Lad 2017, S.100)


3. Wie entsteht Ghee?

Ghee (Sanskrit = Ghrita) entsteht durch längeres Köcheln von ungesalzener Süßrahmbutter, wobei die (Milch-)Feststoffe vom Fett getrennt werden und nach oben steigen sowie die Wasseranteile verdampfen. Die oben schwimmenden Feststoffe werden anschließend abgeseiht und das reine Butterfett bleibt zurück. Butter wird also durch Hitze umgewandelt und transformiert in Ghee. 


4. Wie muss Ghee gelagert werden?

Ghee wird in einem Glasgefäß aufbewahrt und kann dank seines geringen Feuchtigkeitsgehaltes bis zu einem Jahr ohne Kühlung gelagert werden und frisch bleiben. Ghee sollte nicht mit einem nassen oder verunreinigten Löffel aus dem Glasgefäß herausgeholt werden, da sich Bakterien bilden können, die das Ghee verderben. (vgl. Lad 2017, S.100)


5. Welche gesundheitsförderlichen Eigenschaften hat Ghee?

Ghee wird bereits in den klassischen ayurvedischen Texten wie der Charaka Samhita (wahrscheinlich zwischen 100 v. Chr. und 200 n. Chr. zusammengestellt) und der Sushruta Samhita (6. Jahrhundert n. Chr.) zur Gesunderhaltung und zur Behandlung von Krankheiten empfohlen. In der Synthese der alten und modernen Ayurveda-Schriften lassen sich die folgenden gesundheitsförderlichen Aspekte und Eigenschaften von Ghee zusammentragen:

  • Ghee unterstützt den Aufbau und die Versorgung der Dhatus (Körpergewebe). 
  • Ghee balanciert die drei Doshas aus, besänftigt ganz besonders Vata und Pitta.
  • Ghee ist ein Verdauungsmittel. Es unterstützt bzw. verbessert die Absorption und Assimilation (Verwertung).
  • Ghee nährt Ojas, Tejas und Prāna.
  • Ghee gilt als ein ultimatives Tonikum und Verjüngungsmittel.
  • Ghee ist reich an Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren. 
  • Ghee regt die Leber dazu an, die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K zu produzieren.
  • Ghee ist ein Katalysator, der die medizinischen Eigenschaften der Kräuter ins Gewebe transportiert.
  • Ghee hat entzündungshemmende und antivirale Eigenschaften. 
  • Ghee enthält große Mengen an Butyrat, einer Fettsäure, die mit einer entzündungslindernden Reaktion des Immunsystems in Verbindung gebracht wird.
  • Ghee ist eine gute Energiequelle und hat antimikrobielle und antifungale Eigenschaften. 
  • Ghee unterstützt die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen und Mineralien aus anderen Nahrungsmitteln.
  • Ghee schmiert und kräftigt das Bindegewebe, und erhöht die Flexibilität des Körpers.


6. Anwendungsgebiete von Ghee.

Ghee wird pur oder als geeigneter Träger für Heilkräuter in der Ayurveda-Medizin zur inneren und äußerlichen Behandlung verwendet.


In der äußeren Anwendung 

  • dient es als Massage-Grundlage für die Haut vom Pitta-Dosha-Typ.
  • wird es bei der Behandlung von Verbrennungen und Schwellungen eingesetzt bzw. kann es als Basis für Kräutersalben bei Verbrennungen, Hautausschlägen usw. verwendet werden.
  • wird es gemischt mit Honig für eine bessere Heilung auf Wunden und Blasen aufgetragen. 
  • hilft Ghee trockene Haut und Haare mit Feuchtigkeit zu versorgen. 
  • fördert es - auf der Kopfhaut aufgetragen - das Wachstum von dickem, glänzendem Haar.


In der inneren Anwendung

  • ist es hormonausgleichend.
  • wirken die Antioxidantien im Körper als "Radikalfänger", die freie Radikale aufspüren und neutralisieren, um Zell- und Gewebeschäden und damit Erkrankungen vorzubeugen.
  • helfen die hochwertigen Fette dabei, fettlösliche Giftstoffe aus den Zellen zu ziehen.
  • beugt, die im Ghee enthaltene konjugierte Linolsäure (CLA) sowohl Krebs als auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.
  • hält es den Körper warm, weshalb es traditionell in vielen Winterrezepten verwendet wird.
  • hilft es dabei, Störungen des Nervensystems zu heilen.
  • trägt es zu einem gesunden Verdauungssystem bei, indem es die Heilung und Reparatur der Magenschleimhaut unterstützt. Dies kann besonders wertvoll für Personen mit Magen-Darmerkrankungen, wie z.B. Magenschleimhautentzündung oder Morbus Crohn sein.


Darüber hinaus

  • fördert Ghee die Langlebigkeit und wirkt verjüngend. 
  • unterstützt Ghee ein gutes Hautbild, den Intellekt, die Gedächtnisleistung, die Verdauungs- und Lebenskraft, die sexuelle Vitalität und ein gutes Sehvermögen. 
  • ist Ghee ein wesentlicher Bestandteil der Ernährung von stillenden Müttern in ganz Indien.
  • hilft Ghee bei der Behandlung von Verbrennungen, Übersäuerung, Malabsorption (die mangelhafte Aufnahme von Substraten und Nährstoffen aus dem bereits vorverdauten Speisebrei), Epilepsie, Geschmacklosigkeit, chronischem Fieber und Kopfschmerzen. 
  • ist Ghee eine brauchbare Alternative für Personen mit Milchallergien. Da Ghee durch das Entfernen von Milchfeststoffen hergestellt wird, enthält es nur Spuren von Milchzucker (Laktose) und Proteinen (Kasein), wodurch es für die meisten Menschen mit Milchallergien geeignet ist.
  • ist Ghee insgesamt viel bekömmlicher als Butter, da es keine Milchproteine enthält.


Zusammenfassend ist Ghee besonders empfehlenswert für Kinder und ältere Menschen sowie bei Kinderwunsch, während der Stillzeit und bei Störungen, die von Vata oder Pitta herrühren.


7. Welche Rolle spielt Ghee in Panchakarma, Rasayana und Ahara?  


7.1 Panchakarma - Reinigen und Entgiften - mit Ghee.

Panchakarma-Behandlungen werden stets mit Ölen und sehr oft auch mit Ghee durchgeführt. Da unsere Körpergewebe und -strukturen hauptsächlich aus an Eiweiß gebundenen Fetten bestehen, gelingt laut Ayurveda auch der Reinigungsprozess unserer Zellen am besten mit fetthaltigen Substanzen. 

Ghee wirkt entgiftend, indem es fettlösliche Abfallstoffe aus allen Körperzellen (auch aus den Nervenzellen des Gehirns) löst, sie zurück in den Blutkreislauf transportiert, wodurch sie zurück zum Darm oder zur Leber gelangen und von dort ausgeschieden werden. Durch diese wirkungsvolle Ausleitung von Schadstoffen hat Ghee eine besonders starke Wirkung auf Gesundheit und Heilung und damit einen hohen Stellenwert in vielen Panchakarma-Behandlungen/Kuren.

Ayurveda beschreibt das gesamte Zirkulationssystem als Srotas. Die Srotas umfassen alle Körperkanäle. Zu den Srotas zählen auch die Blutgefäße. Viele Erkrankungen, wie Rheuma, Allergien, Asthma oder Herz-Kreislauferkrankungen, entstehen durch Ablagerungen in den Srotas. Es ist ein wichtiges Heilprinzip in der ayurvedischen Medizin, die Srotas von ihren Blockaden zu befreien und somit den Zirkulationsfluss zu verbessern. Dabei kann Ghee sehr gut helfen, da es über die Qualität von Anuloman verfügt, d.h. es unterstützt die physiologisch natürliche Richtung der verschiedenen Ströme im Körper, wie Flatus (Luft/Blähungen) und Stuhl. Damit verfügt Ghee über die Fähigkeit, den Bewegungsfluss (Vata) durch die Kanäle zu regulieren und Störungen der Peristaltik auszugleichen. Anulomana-Substanzen wie Ghee (oder auch Kreuzkümmel und Dillsamen) regen zugleich die Funktionen des Enddarmes an, haben eine abführende Wirkung und unterstützen die Ausleitung von Abfallprodukten.


7.2 Rasāyana Chikitsā - Verjüngung - mit Ghee.

Viele Kräuter entfalten ihre verjüngende Wirkung stärker, wenn man sie mit Ghee vermischt. “Zahlreiche Rasayanas bestehen aus Kräutergelees, in denen die Kräuter mit Ghee, Honig, Zucker und weiteren Substanzen kombiniert werden.” (Frawley 2012, S.192)

Ghee fördert in Verbindung mit ausgewählten ayurvedischen Kräutern den Aufbau der verschiedenen Körpergewebe (Dhatus) und hilft dadurch, alters- und krankheitsbedingte Abbauprozesse der Körpergewebe zu verlangsamen und den Körper angemessen jung und vital zu halten. (vgl. Übersichtstabelle der Dhatus und empfohlener Rasayana und Anupana in Lad 2017. S.470) 

So fördert zum Beispiel die Verbindung von Ghee und Honig mit Ashvagandhā oder Balā die Balance des Muskelgewebe (Mamsā Dhatu), indem es den Aufbau der Muskeln unterstützt und dadurch die Vitalkraft. (vgl. Lad 2017, S.468)


7.3 Ahara - Kochen - mit Ghee.

Ghee ist natürlich und frei von potenziell ungesunden Zusatzstoffen, Konservierungsmitteln und Transfetten. Ghee ist süß und nussig im Geschmack. Ghee kann in der ayurvedischen Küche sehr vielseitig verwendet werden. Ob pur oder mit Kräutern und Gewürzen aromatisiert  kann es in fast allen Anwendungen eingesetzt werden: zur Anreicherung von Gemüse, Suppen, Currys, Aufläufen oder Kartoffelpüree, als Fett zum Braten und Sautieren, in Reis und Pfannengerichten, als Butterersatz auf Brot und Toast.

Ghee kann hoch erhitzt und somit auch zum scharf Anbraten oder Frittieren verwendet werden, da die Fettsäuren im Ghee bis 190 Grad Celciusstabil bleiben.

Die Herstellung von Ghee ist zu Hause einfach, natürlich und kostengünstig mit Süßrahmbutter möglich (siehe Video). 

Dosa / Idly batter mit Ghee 😋


8. Die Zubereitung von Ghee - das Video.

Eigenes Ghee zu Hause herzustellen, ist einfach, natürlich und sehr kostengünstig. 

Für die Zubereitung von Ghee benötigt man 500g Süßrahmbutter, ein Gefäß mit einem Fassungsvermögen von 500ml und etwa 15 bis 20 Minuten Kochzeit bei niedriger Temperatur.   

Das kleine ayurvedische Kochevent fand via Zoom in Zusammenarbeit mit Dr. Jyotsna Karthik (Ayursparsha, Chennai / Indien) statt. Es zeigt, welche Schritte man bei der Herstellung von Ghee beachten sollte und wie einfach es ist, Ghee selber zu machen.  

Viel Freude bei der eigenen Herstellung und Verwendung von Ghee wünschen

Dr. Friederike Fahr, Riki Greaves und Dr. Jyotsna Karthik



Fragen und Rückmeldungen bitte an: friederike.fahr@yocoveda.com

Literatur:

Frawley, David: Soma Verjüngung und Unsterblichkeit. Yoga und Ayurveda für Körper und Geist. 2012

Lad, Vasant: Selbstheilung mit Ayurveda. Das Standardwerk der indischen Heilkunde. 2010

Lad, Vasant: Lehrbuch des Ayurveda. Allgemeine Prinzipien für Management und Behandlung. Band III. 2017

Murthy, Srikantha (Translator & Author): Illustrated Susruta Samhita. Vol 1-3. 2012

Sharma, R. K,; Dash, Bhagwan (Translators & Authors): Caraka Samhita. Vol. 1-6. 2014



Die Autorin

Dr. Friederike Fahr

ist die Gründerin der yocoveda® Akademie. Ihre Vision ist es, einen Ort voller Leben und Lernen für die Themen ganzheitliche Gesundheit und Wohlbefinden in Verbindung mit Yoga, Coaching und Ayurveda zu gestalten. Sie sieht immer das "große Ganze" und geht zugleich zum Ursprung und in die Tiefe. Sie vernetzt und baut Brücken zwischen bisher getrennten Welten. Sie begleitet Menschen einfühlsam auf ihrem Weg, konzipiert, lehrt und forscht leidenschaftlich gern.

Ähnliche Beiträge

Zusammenführung

Der ganzheitliche Weg—
yocoveda® Master-Ausbildung (600 h)

  • Möchtest du Wissen, Weisheit und Können aus Yoga, Coaching und Ayurveda zu einem ganzheitlichen Kompetenzprofil zusammenführen und andere Menschen in ihrem perönlichen wie beruflichen Leben zur Seite stehen?
  • Möchtest du kompetent, feinfühlig und achtsam, praxisorientiert und tiefgründig in den Feldern Yoga, Ayurveda, gesunde Lebens- und Arbeitsgestaltung lehren, coachen und beraten?
  • Dann beginne die 600 h umfassende Ausbildung und werde yocoveda® Master!